Black Box

Zwischen Sender und Empfänger einer Botschaft liegt die Ebene der Erfahrungshorizonte der Beteiligten, die black box. Die subjektive Wahrnehmung des Empfängers hat also nicht unbedingt etwas mit einer einzigen objektiven Wahrheit zu tun. Sie hängt davon ab, was wir nach einer Veränderung durch Parameter, die uns oft selbst nicht bewusst sind, wahrnehmen.   In dieser Serie geht es um den Prozess der Entstehung neuer Ideen. Normalerweise gehen wir davon aus, dass durch Naturgesetzte aus unserer Wahrnehmung eine Gesetzmäßigkeit abgeleitet wir. Schon ein Baby wirkt verstört, wenn ein Ball nicht wie erwartet nach unten fällt. Auch ein Computer kann diesen Schritt nachvollziehen. Er leitet aus Erfahrungen eine Gesetzmäßigkeit ab. Der Mensch definiert sich aber oft darüber, dass er über die Erscheinungen seiner Wahrnehmungsumwelt nachdenkt und sich sein eigenes Urteil bildet. Die Idee kann sämtlichen anerkannten Regeln und Paradigmen widersprechen und trotzdem richtig sein. Hier führt aber oft nicht die Auswertung bereits gemachter Erfahrungen zur Wirklichkeit. Entscheidend ist die Informationslücke. Eine nicht erkennbare wahre Voraussetzung, die den Wandel einer Idee bewirkt. In der Serie black box wird versucht, diesen kreativen Denkprozess in Gang zu setzten. Ausgangssituation ist ein eher gestisch gemaltes zufälliges Bild. Im nächsten Schritt werden einige Informationen dieses Ausgangsbildes ausgeblendet. Durch das Übermalen einiger Bereiche mit der Nicht-Farbe Schwarz entsteht ein Loch oder eine Lücke, die dem Betrachter Freiraum zur kritischen Reflektion des Gesehenen und die eigene Entwicklung von Ideen geben soll. Helle Strukturen repräsentieren Störungen von außerhalb. Sie können vorhandene Strukturen betonen oder aber ein neues Element einbringen. Durch diesen Prozess entsteht ein völlig neues Bild, die subjektive Wahrheit des Empfängers. Diese muss nicht für jeden gleich sein, denn auch die Ebene der persönlichen Erfahrungen spielt eine große Rolle. Aus diesem Grund haben die Bilder keinen Titel. Jeder soll selbst bestimmen, was er sieht und dazu animiert werden, sich mit seiner eigenen Wahrnehmung auseinander zu setzen. Und wenn das heißt, dass er das Bild auf den Kopf stellt, weil er das subjektiv als richtig empfindet, dann ist das auch ok.

Trajektorie

Diese Serie greift die Bildelemente der Fotoserie auf und setzt sie in eine eigene Formensprache um. Sie zeigen eine Ausgangssituation, die durch die chaotischen und scheinbar zufälligen Bahnen der turbulenten Strömung verändert wurde. Sie wirken abstrakt und sind doch streng genommen dem Hyperrealismus zuzuordnen. Jedes Bild stellt einen Moment des Innehaltens in dieser Strömung dar. Dieser winzige Augenblick kann den Blickwinkel verändern und uns eine neue Wirklichkeit erleben lassen.

Ich möchte diese Serie als ein Plädoyer verstanden wissen, doch einmal genauer hinzuschauen. Turbulente Strömungen sind auch gesellschaftlich gesehen ein Ausdruck für eine unübersichtliche, sich schnell ändernde Situation. Das steigende Tempo der Veränderungen in unserer Lebensumwelt macht es fast unmöglich, eine zukunftsträchtige Fließrichtung oder ein Muster zu erkennen. Wenn wir nun dieser Strömung einen winzigen Augenblick Einhalt gebieten, einen einzelnen Moment wahrnehmen ­---- wer weiß wohin das führt. Die Natur könnte sich als unerschöpfliche Quelle von Ideen erweisen.Man muss nur hinsehen.